Wabenhygiene

Unter Wabenhygiene versteht man in der Imkerei alle Maßnahmen, die dazu dienen, die Bienenwaben sauber, gesund und frei von Krankheitserregern zu halten. Waben bestehen aus Bienenwachs und werden von den Bienen über lange Zeit genutzt – zum Brüten, zur Honiglagerung und als Lebensraum im Bienenvolk. Mit zunehmendem Alter können sich jedoch Krankheitserreger, Rückstände und Schadstoffe im Wachs anreichern.
Zur Wabenhygiene gehört vor allem der regelmäßige Austausch alter, dunkler Brutwaben gegen neue, helle Waben sowie der sachgerechte Umgang mit Wachs und Rähmchen. Die Altwaben können eingeschmolzen und in den eigenen Wachskreislauf integriert werden.


Wofür ist Wabenhygiene erforderlich?
Eine gute Wabenhygiene ist ein wichtiger Bestandteil der Gesunderhaltung der Bienenvölker. Sie dient insbesondere dazu:

  • Bienenkrankheiten vorzubeugen, z. B. Amerikanischer Faulbrut oder Nosema
  • die Vermehrung von Krankheitserregern und Parasiten zu reduzieren
  • die Brutgesundheit und Volksentwicklung zu fördern
  • die Honigqualität zu sichern
  • Rückstände von Medikamenten, Umweltgiften und Pestiziden im Wachs zu minimieren

Um einen Austausch von Altwaben zu organisieren muss die Wabenhygiene in die individuelle Betriebsweise integriert werden.


Wie gelingt der Austausch von Altwaben? 
Der regelmäßige Austausch von Altwaben ist eine zentrale Maßnahme der Wabenhygiene und dient der Gesunderhaltung der Bienenvölker sowie der Sicherung hochwertiger Bienenprodukte. Brutwaben unterliegen durch wiederholte Bebrütung einer fortschreitenden Belastung durch Kotreste, Kokonhüllen, Krankheitserreger, Sporen sowie Rückstände aus Umwelt und Varroabehandlung. Ziel des Wabenaustausches ist es, diese Belastungen systematisch zu reduzieren. Durch konsequente Wabenhygiene werden Bienenvölker widerstandsfähiger und leistungsfähiger.


Je nach Betriebsweise, Jahreszeit und Zielsetzung stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung.


Methoden zum Austausch von Altwaben

1. Wabenerneuerung durch Ablegerbildung
Die Entnahme von Brutwaben zur Ablegerbildung stellt eine effektive Möglichkeit dar, Altwaben aus dem Wirtschaftsvolk zu entfernen. Gleichzeitig werden Jungvölker aufgebaut, während das Muttervolk mit Mittelwänden oder Jungwaben ergänzt wird.
Dieses Verfahren verbindet Wabenhygiene mit der Völkervermehrung und fördert den natürlichen Bautrieb. Besonders geeignet ist diese Methode im Frühjahr und Frühsommer.

2. Totale Brutentnahme (TBE)
Bei der totalen Brutentnahme werden sämtliche Brutwaben eines Volkes zu einem definierten Zeitpunkt – meist nach der letzten Honigernte – entfernt. Das Volk wird anschließend auf neue Mittelwände oder ausgebaute Jungwaben gesetzt.
Durch käfigen der Königin vor dem letzten Schleudern kann eine TBE erreicht werden. Nach etwa 24 Tagen ist sowohl die Arbeiterbrut als auch die Drohnenbrut ausgelaufen. Dann können alle Altwaben aus dem Volk entfernt und durch neue Mittelwänden ersetzt werden. Die Maßnahme bewirkt einen nahezu vollständigen Austausch des Wabenwerks im Brutraum und führt gleichzeitig zu einer deutlichen Reduktion der Varroamilbenpopulation.
Die Brutfreiheit kann gleichzeitig dazu genutzt werden eine Oxalsäurebehandlung oder Milchsäurebehandlung durchzuführen. Die entnommenen Altwaben können sachgerecht eingeschmolzen und in den eigenen Wachskreislauf integriert werden. Mithilfe einer Mittelwandpresse können eigene Mittelwände hergestellt werden.
Dieses Verfahren verbindet Wabenhygiene mit integrierter Varroabehandlung. Das Käfigen erfolgt ca. 14 Tage vor dem letzten Schleudern also etwa Ende Juni. Dies ist optimal für eine Varroabehandlung Mitte Juli.

3. Kunstschwarmverfahren
Beim Kunstschwarmverfahren werden die Bienen vollständig von den Waben abgekehrt und mit der Königin oder einer neuen Königin auf ausschließlich neue Mittelwände eingeschlagen. Das alte Wabenmaterial wird vollständig aus dem Wirtschaftsvolk entfernt.
Dieses Verfahren entspricht einer vollständigen Wabenerneuerung und stellt eine sehr wirksame Hygienemaßnahme dar. Es wird häufig bei stark belasteten Wabenbeständen, im Rahmen der Sanierung von Völkern oder nach dem Zukauf fremder Völker angewendet.
Dieses Verfahren wird zur radikalen Wabenerneuerung, als Sanierungsmaßnahme oder zur Seuchenprävention nach dem letzten Schleudern im Sommer angewendet.

4. Bannwabenverfahren
Beim Bannwabenverfahren wird die Königin zeitweise auf eine oder wenige Waben begrenzt. Nach dem Auslaufen der Brut können diese Waben gezielt entnommen und ersetzt werden. Dieses Verfahren erlaubt eine gezielte Erneuerung einzelner Brutwaben und kann gleichzeitig zur Varroareduktion genutzt werden.
Dieses Verfahren verbindet Wabenhygiene mit integrierter Varroabehandlung. Das Käfigen erfolgt wie bei der totalen Brutentnahme ca. 14 Tage vor dem letzten Schleudern also etwa Ende Juni. 


Fazit

Unabhängig von der gewählten Methode gilt: Brutwaben sollten aus hygienischen Gründen spätestens nach drei Jahren aus dem Verkehr gezogen werden. Eine konsequente und planmäßige Wabenerneuerung ist ein wesentlicher Bestandteil guter imkerlicher Praxis und trägt maßgeblich zur Gesunderhaltung der Bienenvölker sowie zur Qualität von Honig und Wachs bei.

Zum Einschmelzen der Waben eignen sich am besten Sonnenwachsschmelzer oder Dampfwachsschmelzer. 
Ist ein Einschmelzen nicht gewünscht oder nicht möglich, die Altwaben bienenunzugänglich entsorgen.