„Bienen haben auch Schweißfüße“, Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Tautz
Im Museum am Schölerberg fand ein sehr interessanter Vortrag „Auch Bienen haben Schweißfüße „ von Herrn Prof. Dr. Jürgen Tautz statt.
Dabei hat Herrn Tautz in einer sprachlich und sehr verständlichen Weise die Zuhörer in den Bann der Faszination Honigbiene mitzunehmen. Seine Themen an diesem Abend waren aus seinem Buch „Auch Bienen haben Schweißfüße“ ausgewählt, unter anderem „ Das Brutnest als Treibhaus“ und „Hitze als Waffe“.
Während des Vortragen brachte er sowohl einen geschichtlichen Hintergrund ein, als auch überraschende Fakten zu den Bienen. Themen die bei den Zuhörern auf große Aufmerksamkeit stießen waren die „Tankstellenbienen“, den Schwänzeltanz sowie das Schmerzempfinden der Bienen.
Herr Tautz nahm sich zwischenzeitlich und nach dem Vortrag gerne Zeit , um Zuhörerfragen und Anregen zu beantworten. Dies auch zu aktuellen Themen , die besonders für Imker interessant sind, z. B. Bekämpfung der Asiatischen Hornisse.
Der Vortrag wurde abgerundet in dem Herr Tautz auf Beeactive (https://beeactive.app/) aufmerksam machte. Eine interaktive Plattform, die besonders in der Kinder-und Jugendarbeit eingesetzt werden kann. Ein digitales Lernspiel mit virtuellen Bienen und realen Pflanzen.
Insgesamt konnten die Zuhörer den Eindruck bekommen, dass Bienen eine Herzensangelegenheit von Herrn Tautz sind.
Vielen Dank sagen wir den Organisatoren des Museum am Schölerberg ( https://www.museum-am-schoelerberg.de/)
Informationsstand Honig- und Wildbienen beim Mühlenfest Nackte Mühle
Den ganzen Tag über informierten sich Bürger zu dem Themen rund um die Imkerei, Honig-und Wildbienen. Dabei wurde den Besuchern zum Bespiel über einen visuellen Schaukasten das Leben der Honigbienen erklärt. Zusätzlich konnte umfangreiches Informationsmaterial mitgenommen werden. Die zahlreichen Gesprächen mit den Imkern spiegelten das starke Interesse, besonders von Kindern, an den Themen Leben der Bienen, Naturschutz und dem Verkauf von Honig wieder. Schautafeln der Lega-S, über Kräuter, ergänzten die Informationsmöglichkeiten.
Weitere Infos : https://lega-s.de/bereich-nackte-muehle/muehlenleben/muehlenfest/
"Spuren lesen im Bienenvolk"
Der Landesverband der Buckfastimker Weser-Ems e. V. hatte am Sonntag, den 31. Mai 2026 ab 11:00 Uhr bis ca. 16:00 Uhr eingeladen zum Tagesseminar:
„Spuren lesen im Bienenvolk“ mit Guido Eich in die Nackte Mühle, am Östringer Weg 18.
Gut 30 interessierte Imkerinnen und Imker folgten der Einladung und erlebten einen mitreißenden Vortrag von Guido Eich, der trotz erheblicher Armprobleme einen Weg gefunden hatte, als Redner anwesend zu sein. Gut 2,5 h begeisterte er seine Zuhörer/innen. Nach einer kurzen Mittagspause erwartete die Zuhörerinnen und Zuhörer ein praktischer Teil am Bienenstock.
Seine Erfahrungen aus seiner langjährigen Praxis als Imker sowie als Biologe, in denen er das Leben der Bienen intensiv beobachtet hat, öffnete für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer neue Türen zum Verständnis ihrer Bienen.
Beobachtung heißt das Zauberwort. Beobachten und daraus Schlüsse ziehen. So viele interessante Informationen mussten erstmal ankommen. Eine kleine Zusammenfassung der wichtigsten Themen möchte ich versuchen, um sie für alle zur Verfügung zu stellen. Ein besonderer Dank gilt hier Christine Dissel, die nachträglich die Lücken in meiner Erinnerung gefüllt hat.
„Der Bien kann alles, der Mensch kann nichts…“ Imkerei gibt es erst seit ca. 1.000 Jahren, die Bienen schon viel viel länger, seit etwa 60 Millionen Jahren.
Bienen lügen nicht.
Spuren lesen im Bienenvolk ist möglich an den Waben, am Flugloch und in der Gemülldiagnose.
Anzeichen dafür, dass ein Volk schwärmen will:
Kaum Flugbetrieb
Baurahmen wird nicht mehr gebaut, die Baukante ist nicht mehr scharf, sondern gerundet
Die Bienen bauen schlecht (keine Notwendigkeit den Bau zu erweitern, weil ein Schwärmen geplant ist)
Glänzender Pollen
Spielnäpfchen poliert > Ei wird hier bald abgelegt
Spielnäpfchen mit weißen Flocken werden bald belegt
Bienengruppen am Bodenbrett
Bienengruppe am Flugloch (Cappuccino-Gruppe)
Bienen hängen aneinander und bilden eine Art Vorhang am Rähmchen
Kittharz an den Zellrändern = Baustopp
Wachsplättchen auf dem Boden
Drohnenrahmen mit Honig > keine Drohnen mehr gewollt
Buckelbrut ist ein Zeichen, dass es keine begattete Königin gibt und sich bei Arbeiterinnen Eierstöcke entwickeln (Afterweisel). Wenn diese Afterweiseln Eier in die Zellen legen, legen sie diese an die Zellwände (da sie nicht einen so langen Hinterleib haben wie die Königin), es werden auch mehrere Eier in eine Zelle abgelegt. Da die Afterweiseln nicht begattet sind, sind auch die Eier unbefruchtet und entwickeln sich somit zu Drohnen. Drohnenlarven brauchen mehr Platz als Arbeiterinnenlarven, so dass die Zellen hoch verdeckelt werden (Buckelbrut). Buckelbrut = unbegattete Eier = Drohnen – es ist also kein begattetes Ei vorhanden, aus dem eine Königin gezogen werden kann.
Eine stille Umweiselung findet Ende des Sommers statt, wenn die Arbeiterinnen nicht mehr mit der Leistung der Königin zufrieden sind (Königin ist alt bzw. der Spermavorrat geht zu Ende: Pheromone sind nicht mehr sehr stark). Es werden eine oder zwei Umweiselungszellen (siehe weiter unten) geschaffen. Das Volk wird nicht schwärmen.
Sind mehr Brutzellen verdeckelt als offen > erweitern mit Honigraum direkt über dem Königinnenabsperrgitter (Bienen laufen nicht über verdeckelte Futterzellen)
Dunkle Waben provozieren Schwärme
Wenn die Wachsbrücken auf den Oberträgern der Waben mit Honig gefüllt sind, sollte das Volk geteilt werden. Dann ist in den Zellen auf den Waben schon kein Platz mehr, um Futter einzulagern (alle Zellen sind belegt mit Futter) und natürlich auch kein Platz für Brut (Eier). Also ist man schon zu spät dran mit dem Erweitern. Durch die Entnahme von Brutwaben ohne Königin wird das Volk stark geschröpft und das Volk mit Mittelwänden aufgestockt. Dadurch entsteht wieder Platz für Brut – die Königin kann wieder Eier legen und die Ammenbienen können wieder Brut versorgen und ihren Futtersaft abgeben.
Wenn das Volk Spielnäpfchen baut, sollte erweitert werden. Wenn der Boden des Spielnäpfen poliert ist (glänzt) wird innerhalb der nächsten 7 Tage ein Ei hineingelegt (Schwarmzelle)
Weiselloses Volk:
-Heulen am Flugloch
-stehende / liegende Achten am Flugloch
-spärlich gepuderte Beine
-Tuten und Quäken, kaum Flugbetrieb
Klopfprobe: Hierzu presst man ein Ohr an die Kastenwand und klopft mit dem Knöchel gegen die Beute. Ist das Volk noch am Leben so summt es nach dem Klopfen auf. Ist der Summton sehr kurz, so ist das Volk weiselrichtig; bei länger anhaltendem Brummton mit einzelnen heulenden Bienen ist es mit Sicherheit weisellos. Diese Klopfprobe kann man zu jeder Tages- und Nachtzeit, an allen Tagen im Jahr machen.
Weiselrichtiges Volk:
Frühjahr: Ein Volk, das fliegt und räumt ist weiselrichtig.
Sind Pollen und Spielnäpfchen stumpf hat das Volk eine Königin.
Ist die Kante des Drohnenrahmens „scharf“ hat das Volk eine Königin.
Winterbehandlung: Sterzelnde Bienen lassen auf eine Königin im Kasten schließen.
Königinnenzellen
Schwarmzelle befindet sich in der typischen Form an der unteren Kante des Rähmchens oder an Fehlstellen auf der Wabe.
Für Nachschaffungszellen für eine stille Umweiselung werden Zellen abgefräst, so dass ein Wabental entsteht. In diesem Wabental werden die Umweiselungszellen gebaut, nicht an der Wabenkante.
Für Nachschaffungszellen (z.B. bei einem Brutableger) werden Zellen mit schon vorhandenen Eiern oder jüngster Brut als Königinnenzellen ausgebaut. Da diese Zellen waagerecht stehen, wird die Zelle ausgezogen und dann senkrecht weiter gebaut (sieht aus wie ein Elefantenrüssel). Diese Königinnenzellen sehen kleiner aus, da ein Teil zwischen den Zellen untergeht.
Es wird unterschieden in:
Vorschwarm
nah, sitzt tief
Schwarm mit der „alten“ Königin setzt sich in der Nähe und tief ab (diese Königin ist schon begattet)
Nachschwarm
weit weg, erobert das Gebiet zurück
Schwarm mit einer Jung-Königin setzt sich in weiterer Entfernung und in größerer Höhe ab (Der Schwarm möchte neue Gebiete einnehmen; in größerem Abstand gibt es Drohnensammelplätze mit anderem Genmaterial; wenn dieses Volk im nächsten Jahr schwärmt, kann es in das ursprüngliche Gebiet zurückkehren und die neuen Gene dort verbreiten)
Anzeichen für Räuberei:
Bodenbrett mit Entdecklungsresten
Anflugloch klebt
Kämpfe am Flugloch
Flugloch einengen, so dass nur ein ganz kleines Flugloch entsteht, so können die Bienen dieses besser verteidigen.
Volk umstellen, so dass die Räuberbienen keine Beute mehr vorfinden
Abwehrverhalten von Bienen - Angriffsbereitschaft
Drei Warnstufen:
Wehrbienen spreizen die Flügel
Wehrbienen spreizen die Flügel und heben die Fühler
Wehrbienen spreizen die Flügel, heben die Fühler und die Vorderbeine
Königin
- junge Königinnen sind schlank
- sind die Beine der Königin noch behaart, hat sie noch keine Eier gelegt
- hat die Königin keine Haare mehr an den Beinen, hat sie bereits Eier gelegt
- sehr junge Königinnen können noch stechen
- findet man in einer Zelle ein Ei plus ein schräg gestelltes Ei lässt es darauf schließen, dass der Samenvorrat der Königin zu Ende geht
- Überbauten aus Wachs an der Folie lassen auf eine junge Königin schließen
- Dunklere Überbauten (Wachs mit Propolis) an der Folie lassen auf eine ältere Königin schließen.
Drohnen
- Drohnen mit Haaren sind junge Drohnen
- ältere begattungsfähige Drohnen haben fehlende Haare und brummen, wenn man vorsichtig auf die Brust drückt
Beobachtungen am Flugloch:
Morgens: alle Altersklassen sind zu sehen,
Alte Bienen holen Wasser
Mittags zwischen 13:30 und 14:30 Jungbienen spielen und fliegen sich ein
ab 15:30 kommen die Drohnen zurück
Das Wetter war uns zwischenzeitlich nicht so wohl gesonnen (Regen und Gewitter) daher wurde der Plan den Praxisteil an einem Bienenstand in Hagen am T.W. durchzuführen geändert und die Bienenvölker von Nicole nahe der Nackten Mühle besucht.
Faszinierend wie Guido Eich allein durch die Beobachtung der Fluglöcher und der Aktivität der Bienen auf den momentanen Zustand der Völker schließen konnte.
„Bienen laufen Achten am Flugloch, das lässt darauf schließen, dass sie aktuell im Umbruch sind, was ihre Königin betrifft. Entweder ihnen fehlt eine Königin oder die Königin ist gerade erst begattet und ist dabei ihre Rolle im Volk zu finden.“
Und was zeigte der Blick in den Stock? Eine junge Königin, die gerade auf einer Wabe mit der Eiablage begonnen hatte.
Insgesamt ein sehr kurzweiliger, interessanter und spannender Vortrag von Guido Eich.
Sehr erfreulich, dass es Menschen wie ihn gibt, die ihre vielfältigen Erfahrungen und Beobachtungen rund um den Bien an interessierte Imkerinnen und Imker weitergeben.
Kontaktdaten von Guido Eich: [email protected]
Zusammenfassung von Ellen Melzer mit Unterstützung von Christine Dissel
Weitere Fotos: bei Fotoalben
Schwarmzeit nicht nur bei Melanie ( Zuhause) und Frank ( Haus Ohrbeck)
Buckfastimker Termine 2026
Gartentreffen am 1. Samstag im Monat um 16:00 h, Treffpunkt ist bei dem jeweiligen Imker Vereinsgarten April bis Oktober 2026, jeweils den 3. Mittwoch im Monat um 18:00 h, Treffpunkt: Am Kalkhügel gegenüber Nr. 42, 49082 Osnabrück
Sa. 09. Mai 10:30 h, Gartenaktion Vereinsgarten
Die. 12. Mai 19:00 h Chemiefreie Varroabehandlung, Anwendung von VaKoFang, Käfigen der Königin, GZ-Lerchenstraße
Mo. 25. Mai 10-17 h, Infostand zum Mühlentag an der Nackten Mühle
So. 31. Mai 11- 16 h Fortbildung mit Guido Eich „Spurenlesen im Bienenvolk, Fluglochbeobachtung“, Theorie und Praxis
Sa. 13. Juni 15:00 h, Mittsommerparty mit Werkeln, Kuchen und Grillen im Vereinsgarten
Mi. 17 Juni 18:00 h, Vereinsgarten, Arbeiten im Garten und gemütliches Beisammensein
Sa. 20. Juni Fahrt zur Belegstelle Wippra (Bernhard Hehmann), Uhrzeit und Übergabeort werden noch bekanntgegeben
Sa. 04. Juli Abholung der Begattungseinheiten von der Belegstelle Wippra (Marc Weinberg), Uhrzeit und Übergabeort werden noch bekanntgegeben
Mi. 15 Juli 18:00 h, Vereinsgarten, Arbeiten im Garten und gemütliches Beisammensein
Sa. 01. August 16:00 h, Gartentreffen bei Bernhard Hehmann Hagen aTW
Mi. 19 August 18:00 h, Vereinsgarten, Arbeiten im Garten und gemütliches Beisammensein
Sa. 05. Sep. 16:00 h, Gartentreffen bei Thomas und Ulla Lehmann, in Bramsche
Mi. 16. Sept. 18:00 h, Vereinsgarten, Arbeiten im Garten und gemütliches Beisammensein
Mi. 21. Oktober 18:00 h, Vereinsgarten, Arbeiten im Garten und gemütliches Beisammensein
Dez. 2026 Honigschulung
Fr. 11. Dezember 16:00 h, Weihnachtsfeier im Vereinsgarten mit Feuerschale, Keksen und Glühwein
Das Frühjahr beginnt, Bienen und Imker werden wieder fleißig. Unsere erstes Gartentreffen im Bienengarten. Leider ist eine große Weide umgefallen. Nun bietet sie Lebensraum für Imker (Baumstamm) und die Benjushecke für Vögel. Natürlich haben wir auch genossen sich miteinander zu unterhalten und haben uns fachlich ausgetauscht.
Jahreshauptversammlung bei der Nackte Mühle
Jahreshauptversammlung vom 15.03.2026
– Kurzbericht -
Am 15. März 2026 fand die Jahreshauptversammlung des Landesverbandes der Buckfastimker Weser-Ems e. V. in der Nackten Mühle in Osnabrück statt.
Die 1. Vorsitzende berichtete über das veranstaltungsreiche Jahr 2025: Neben Infoveranstaltungen zu Stockwaage und Königinnenvermehrung fand ein Ausflug zur Imkerei Gerdes in Havixbeck statt.
Für die Reinzucht wurden 36 Königinnen zur Belegstelle Wippra im Südharz gebracht. Rund 40 unbegattete F1 Königinnen und Weiselzellen wurden an Mitglieder abgegeben. Regelmäßige Gartentreffen, Gartenaktionen und eine Ferienpassaktion bereicherten das Vereinsleben. Der Verein zählt aktuell 127 Mitglieder.
Für 2026 sind u. a. eine Fortbildung zum Thema „Spurenlesen im Bienenvolk" (31.05.), ein Mittsommerfest (13.06.), Gartentreffen von Mai bis September sowie eine erneute Fahrt zur Belegstelle geplant. Fördermittel der Sparkassenstiftung sollen für die Weiterentwicklung des Vereinsgartens beantragt werden. Der Kostenvoranschlag 2026, mit einem positiven Saldo von 390,00 €, wurde einstimmig genehmigt.
Die nächste Jahreshauptversammlung soll am 14. März 2027 um 15:00 Uhr wieder in der Nackten Mühle in Osnabrück stattfinden.
Herzlichen Dank sagen die Vereinsmitglieder dem alten und neuen Vorstand des Verein. Deren Arbeit wird als vielfältig, am Vereinsleben orientiert und mit sehr viel Herzlichkeit gelebt.
Hier halten wir Sie und euch über Termine, Treffen und Veranstaltungen auf dem Laufenden:
"Gesunde und ertragreiche Bienenvölker durch biotechnische Maßnahmen"
von Werner Gerdes, Buckfastimker aus Münster - Havixbeck
Der Landesverband der Buckfastimker Weser-Ems e. V. hatte am Dienstag, den 10.02.2026 in das Gemeinschaftszentrum Lerchenstraße eingeladen zu dem Thema „Gesunde und ertragreiche Bienenvölker durch Biotechnische Maßnahmen“.
35 Imkerinnen und Imker waren der Einladung gefolgt und nahmen an dem sehr interessanten Vortrag von Herrn Werner Gerdes (Buckfastimker aus Münster-Havixbeck) mit dem Schwerpunkt: „Das System VaKoFang: Selektion auf Varroa-Resistenz und Varroa Reduzierung ohne Einsatz von Chemie“ teil.
Den kompletten Vortrag findet ihr auf der Internetseite von Werner Gerdes unter: https://www.imkerei-gerdes.de/vakofang/
Die Varroa-Bekämpfung ist eines der zentralen Themen das jede Imkerin und jeden Imker Jahr für Jahr aufs Neue beschäftigt. Problematisch sind hier nicht in erster Linie die Milben, sondern die durch sie übertragenen Viren, Bakterien und Pilze und deren Folgeerkrankungen. Inzwischen haben sich zur Bekämpfung einige Biotechnische Maßnahmen bewährt. Werner Gerdes stellte diese noch einmal zusammenfassend vor. Alle diese Maßnahmen haben zum Ziel den Varroa-Befall möglichst gering zu halten. Die Vorteile Biotechnischer Maßnahmen sind inzwischen bekannt. Zusätzlich zu den Biotechnischen Maßnahmen werden ergänzend aber auch Chemikalien in Form von Säuren eingesetzt. Diese Chemikalien haben nachteilige Auswirkungen auf das Bienenvolk. Die Bienen konnten bisher aus eigener Kraft keine Resistenzen gegen die Milben in ausreichendem Umfang entwickeln.
Werner Gerdes stellte die Idee, die Entwicklung, sowie den aktuellen Stand des VaKoFang – Programms (Varroa Kontrollieren und Fangen) vor.
In der Anwendung von VaKoFang sollen bekannte biotechnische Verfahren, wie Feststellen des Befalls, Sperren der Königin und auch Bann- und Fangwaben optimiert und in einer einzigen Wabe zusammengeführt werden. Ziel ist eine Kontrolle des Befalls mit gleichzeitigem Fang der Varroen ohne eine zusätzliche Anwendung von Chemie. Die Bienen sollen so in die Lage kommen eine Varroa-Resistenz auszubilden.
Bei der Entwicklung des VakoFang- Programms standen folgende Punkte im Mittelpunkt:
Kein Einsatz zusätzlicher chemischer Behandlungsmittel
Artgerechter Umgang mit dem Bien
Perfekte, niederschwellige Grundlage für die Resistenz Zucht
Zu diesem Zweck wurde eine Fangwabe entwickelt und optimiert. Sie besteht aus einem Sperr- und zwei Fangbereichen:
Der Erfolg der Fangwabe wird aktuell (2025 – 2026) in einer Pilotstudie getestet.
Weitere Informationen dazu unter: https://www.imkerei-gerdes.de/vakofang/
Das Grundprinzip des Systems VaKoFang
Tag 0 Einsperren der Königin
Tag 17 freilassen der Königin in den Fangbereich (Fangwabe)
Tag 24 Bienenprobe zur Selektion auf Varroa Resistenz nehmen (Auswaschprobe/ Puderzuckermethode)
Tag 28 freilassen der Königin in den Brutraum
Königin legt im Brutraum neues Brutnest an
Tag 36 entnehmen der verdeckelten Fangwabe mit den eingeschlossenen Milben
Brut im Brutraum ist noch nicht verdeckelt
Die Abstände der Behandlungstage sind unbedingt einzuhalten, um den Erfolg der Maßnahme nicht zu gefährden.
Optimale Zeit für den Einsatz der VaKoFang
Anfang – Mitte Juni zu Beginn der Lindentracht/ Sommertracht
Optimal: 14 Tage vor Ende der Tracht (kein zusätzlicher Eingriff mit vollen Honigräumen)
Nach dem Ende der Anwendung kompensiert der Bien den Brutausfall. Gesunde Pflegebienen ziehen gesunde Winterbienen auf. Die Völker überwintern ohne Probleme und sind früher Trachtstark.
VaKoFang - Einsatzplan
Abschließend gab Werner Gerdes eine Zusammenfassung der eigenen Erkenntnisse zum Einsatz von VaKoFang:
Die Völker werden durch die Brutpause nicht schwächer, sondern stärker
Die Völker erzeugen viel und vor allem gesunde Winterbienen
Die Völker gehen stärker in den Winter und überwintern besser
Die Völker bringen eine größere Frühtracht
Es ist kann auf eine schädliche Winterbehandlung verzichtet werden
Das Schönste: Imkern macht wieder richtig Spaß
Ein sehr ermutigendes Ergebnis.
Werner Gerdes appellierte an die Verantwortung jeder einzelnen Imkerin/ jedes einzelnen Imkers, eine Varroa Resistenz bei den Bienenvölkern aufzubauen.
In diesem Zusammenhang stellte er auch das Projekt Varroaresistenz 2033/ Varroa 2033 vor.
Varroa 2033 ist ein Zusammenschluss von Imkerinnen und Imkern, sowie deutscher und europäischer Verbände, die sich mit Varroaresistenz beschäftigen. Jede/r kann sich diesem Projekt anschließen.
Der Ursprung findet sich in der Neuensteiner Erklärung von 2022.
Ziele sind:
Gemeinsame Wege in den nächsten 10 Jahren
Verzicht auf Medikamente
Flächendeckende Varroa resistente Honigbienen Populationen
Weitere Informationen unter: https://varroaresistenzprojekt.eu
Es ist sehr erfreulich und ermutigend, dass es Imker wie Werner Gerdes gibt, die sich so leidenschaftlich dem Thema Varroa-Bekämpfung widmen und die althergebrachten Methoden noch einmal in Frage stellen, um neue noch Bienenschonendere Alternativen voranzubringen.
Sein Appell an uns alle ist, Verbands- und Bienenrassen übergreifend gemeinsam an dem Thema zu arbeiten, denn nur so kann eine Resistenz der Bienen gefördert werden. Er betonte unsere Verantwortung uns um die Verbesserung der genetischen Eigenschaften bezüglich der Varroa-Resistenz zu bemühen und eine selektive Basiszucht zu betreiben.
Viele weitere Informationen findet ihr auf der Internetseite von Werner Gerdes unter: https://www.imkerei-gerdes.de/
Bericht: Ellen Melzer
Viele Grüße
